Dina 3

Nach einem weiteren anstrengenden Tag in der Redaktion saß Dina am folgenden Morgen im Zug nach Hannover. Die Beerdigung ihrer Mutter würde sie fast den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Sie war verabredet mit ihrer großen Tochter. Dina wünschte sich, auch schon in solch jungen Jahren Bekanntschaft mit einem Bestatter gemacht zu haben. Dann hätte sie jetzt wenigstens gewusst, was auf sie zukam. Geschwister hatte sie keine. Und was ihren Vater betraf, wusste sie nicht einmal, wo er begraben war. Als ihr der Termin mit Schrödinger durch den Kopf ging, presste sie die Umhängetasche mit den wichtigsten Unterlagen und Fotokopien an sich. Was die Ziffernfolge betraf, die hinter Schmuckkollektion stand, war sie vielleicht ein Stückchen weitergekommen. Ihr Chef, der ab und zu mit einem gemieteten Schiff auf Segeltörn ging, fühlte sich bei ihrem Anblick an eine Positionsangabe erinnert. Eben wie geographische Koordinaten. Aber genau konnte er es auch nicht sagen. Dina wusste, dass er nicht locker lassen würde, bis er es herausgefunden hatte. Statt der Auflagenzahlen der Konkurrenzblätter würde er bestimmt gerade ihre Ziffernfolge anstarren, so viel stand fest. Der Zug erreichte Hannover. Angestrengt suchte Dina den Bahnsteig nach ihrer Tochter ab. Desiree war zu ihren Treffen immer überpünktlich.